GESCHICHTE DER KÜNSTLER AUS ETTLINGENWEIER

Die gestrige Vernissage hat uns dazu animiert einmal nach der Geschichte der „Künstler aus Ettlingenweier“ zu recherchieren. Die Adventshöfe gibt es seit 2010 – das ist bekannt – die Künstlerausstellungen, die darin eingebunden wurden, aber schon seit wann?

Zwei Ordner aus der Ortsverwaltung haben es uns verraten:

Im Frühjahr 1993 hatte der Ortschaftsrat auf Antrag der SPD Fraktion (Frau Dr. Brigitte Overlach) einstimmig beschlossen, vom 12. Dezember 1993 bis 6. Januar 1994 eine Ausstellung mit Bildern von Max Eichin auf die Beine zu stellen. Max Eichin hatte viele Jahre von 1972 bis zum seinem Tod im Jahre 1990 in Ettlingenweier gelebt. Frau Eichin hatte sich im Vorfeld bereit erklärt, die Bilder auszuleihen. Das Museum und das Stadtbauamt halfen bei der Umsetzung. Und so konnte die Ausstellung am 11.12.93 vom damaligen Ortsvorsteher Engelbert Kühn eröffnet werden, ganz unter der Prämisse „die kulturelle Vielfalt und die Eigenständigkeit unseres Ortsteils (selbstbewusst, aber ohne separatistische Hintergedanken) zu demonstrieren“.

Laut Statistik haben ca. 135 Interessierte die Ausstellung besucht. Der Ortschaftsrat war ermutigt, die Idee weiterzuführen!

Max Eichin Cadaques 1964 Aquarell 44×64 cm
Max Eichin Spanische Landschaft 1962 Aquarell 39×57 cm

Aus der Broschüre Max Eichin – Das Malerische Werk, Museum Schloss Ettlingen 1994

Im nächsten Jahr wurde Frau Brigitte Klahn-Peter angesprochen, ob sie nicht Interesse hätte einige ihrer Arbeiten auszustellen. 1937 in Kassel geboren, studierte Frau Klahn-Peter nach ihrem Abitur an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel, war als Kunsterzieherin an Gymnasien in Bruchsal und Ettlingen tätig und richtete nach ihrem Umzug 1979 nach Ettlingenweier dort eine Kindermalschule ein und gab ab 1981 Kurse an der Volkshochschule.

Die Ausstellung mit Aquarellen, Collagen und Zeichnungen wurde am 15.12.94 eröffnet und lockte bis zum 8.1.95 ca. 210 Bürgerinnen und Bürger ins Rathaus. Umrahmt wurde die Vernissage mit einer Violimage mit Matthias Graf und ihrem Sohn Ilmar Klahn.

Collage Brigitte Klahn-Peter
Wachsen und Vergehen in der Natur
Radierung Brigitte Klahn-Peter

Im Jahre 1995 folgte dann eine Doppelausstellung mit Rudolf Bannwarth, Holzbildhauermeister und Jürgen Weber, Zeichner. Und weil‘s ein so schöner Artikel ist, schreiben wir einfach aus dem Amtsblatt vom 21.12.95 ab:

Eine Harmonie von Zeichnungen und hölzernen Kunstwerken

In aller Verschiedenheit doch vereint: Zwei Künstler aus Ettlingenweier eröffneten am Freitag Abend (15.2.95) ihre Doppelausstellung im Rathaus……..Mehr als 70 Besucher wohnten der Vernissage bei – mit solch einem Zustrom hatten die Veranstalter nicht gerechnet. Die räumliche Kapazität des Sitzungssaales stieß schon bald an ihre Grenzen. Doch wußte sich der Kunstfreund den beengten Gegebenheiten anzupassen und auf Tuchfühlung mit den Künstlern und Gleichgesinnten zu gehen; ein reger Gedankenaustausch kann dem Kunstgenuß schließlich nicht abträglich sein. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Angelika und Walter Eckfelder. Cembalo und Violine erklangen und schufen mit Stücken von Mozart und Beethoven einen stimmungsvollen Klangteppich für die Bilder- und Skulpturenschau.

Ein harmonisches Nebeneinander bilden Zeichnungen und hölzerne Kunstwerke. Dient die Natur dem einen zur gestalterischen Vorlage, stellt sie dem anderen das Arbeitsmaterial; beide Künstler greifen, jeder auf seine Weise, aus dem reichen Schatz der Natur.

Holz ist das Arbeitsmaterial des Holzbildhauers Rudolf Bannwarth. Mit den ausgesuchten Exponaten zeigt er einen Querschnitt aus seinem Werksbestand, „ein Sammelsurium aus Arbeiten der vergangenen fünf Jahre“.

Die verschiedensten Kunstgenres prallen aufeinander: Adaptionen barocker und gotischer Figuren, die „Madonna mit Kind“ oder das aufgegriffenen Motiv des „Tödtleins“ in Skelettgestalt, reihen sich an Figuren mit karikaturistischen Zügen. Kuriosität, wie der surrealistisch anmutende „Einhänder“ oder die „Jacke mit Schal“, ganz und gar aus Holz, zeigen das breite Spektrum seines Kunstschaffens auf. Dr. Walter Ehrmann vom Museum Ettlingen sprach Rudolf Bannwarth Einfühlungsvermögen und technische Brillanz zu.

Der Zeichner Jürgen Weber beschäftigt sich in seinen Dorfskizzen oft und gerne mit idyllischen Motiven, die er in Ettlingenweier und Umgebung zur Genüge findet. Dorfarchitektur und Natur scheinen in den Radierungen, Acrylbildern und Aquarellen vereint, der Vermessungsingenieur und Naturschutzbeauftragte will in seinen Illustrationen Landschaftsveränderungen aufzeigen. Manch Kleinod hat den Wandel der Zeit nicht überstanden; einfache Häuser, Hof- und Scheunentore oder Bauerngärten sind aus dem Dorfbild verschwunden. Einen hebenden und kritischen Blick für seine direkte dörfliche Umgebung bescheinigte Dr. Walter Ehrmann dem Künstler, „er zeigt auch Dinge, die es schon lange nicht mehr gibt“ und unterstrich somit das Engagement des Zeichners gegen die „gedankenlose Zerstörung von Erhaltenswertem“.

Eröffnet wurde die Ausstellung von Frau Elisabeth Führinger, seinerzeit stellvertretende Ortsvorsteherin. Und auch hier findet sich eine Statistik: 635 Besucherinnen und Besucher!!

Layout Einladung
Aquarell Scheune Utz
Jürgen Weber

„Tödtlein“ Rudolf Bannwarth

Fortsetzung?

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